Fintech Week: Interview mit Keynote Speakerin Dr. Manuela Rabener

Von heute an steht Hamburg für fünf Tage voll und ganz im Zeichen der Finanztechnologie, kurz Fintech. Denn heute startet die Fintech Week. Die Veranstaltungswoche geht vom 15. bis 20. Oktober 2018.

Wir haben bereits berichtet, dass die Fintech Ladies den Montagnachmittag aktiv mitgestalten. Dazu zählen die Fintech Stories, die am 15. Oktober 2018 im Zeitraum von 14.00 – 17.00 Uhr im Hamburger betahaus stattfinden. Bei den Fintech Stories erzählen fünf Protagonisten ihre persönliche Success Story. Eröffnet wird dies mit einer Keynote von Dr. Manuela Rabener von Scalable Capital.

Die Fintech Stories mit Manuela

Manuela ist Co-Founderin von Scalable Capital. Das Unternehmen hat innerhalb kurzer Zeit den Markt der Robo-Advisor erobert und mittlerweile mehr als eine Milliarde Assets unter Management. Hier gibt Manuela vorab ein paar Einblicke in ihre Success Story.

Bei Scalable Capital ist sie für alles verantwortlich, was mit der Außenkommunikation zu tun hat. Dazu zählen Marketing, Pressearbeit, CRM und Corporate Design. Das Unternehmen verfügt über zwei Büros: in London und in München (sie sitzt mit ihrem Team in London), die es über die Landesgrenzen hinweg zu koordinieren gilt. Mehr zu ihrem Werdegang, ihren Aufgaben sowie aktuellen Herausforderungen wird euch Manuela sicherlich auf der Fintech Week verraten – hier folgt nun unser Interview.

Die Kommunikatorin bei Scalable Capital: Dr. Manuela Rabener
Die Kommunikatorin bei Scalable Capital: Dr. Manuela Rabener

Interview

FTL: Manuela, was war die wichtigste Erfahrung für dich als Gründerin?
Manuela: „Das Scheitern und die Analyse der Gründe dafür. Mein erstes Startup hat nicht funktioniert und ich habe extrem viel dadurch gelernt. Ich bin jetzt viel kritischer in meiner Bewertung des Potenzials einer Idee, würde keinesfalls mehr Anteile im Gegenzug für eine Medialeistung eines Partners hergeben und kann Annahmen eines Businessplans deutlich realistischer einschätzen.

Spannend fand ich auch herauszufinden, wie leicht oder wie schwer es einem fällt, sich nach mehreren Jahren mit einem sehr guten, sicheren Gehalt wieder auf einen niedrigeren Lebensstandard einzustellen. Denn Gründen ist ja in den Anfangsjahren finanziell nicht sexy, auch wenn man in den Medien zumeist von erfolgreichen Gründern liest, die irgendwann Millionäre werden. In der Realität müssen Gründer – gerade zu Beginn – den Gürtel erst einmal enger schnallen. Und nicht immer wird man langfristig dafür belohnt. Mit diesem Risiko und damit, dass so mancher Peer an einem vorbeizieht in Sachen Gehalt, muss man leben können, sonst wird man als Gründer nicht glücklich und gibt womöglich zu früh auf.“

FTL: Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Manuela: „Die konsequente Personalisierung durch die Nutzung von Technologie. Wir kommen aus dem Zeitalter der Massenproduktion, die den Nutzen mit sich brachte, dass mehr Menschen immer günstigere Produkte konsumieren konnten. Das Individuelle fiel dabei jedoch unter den Tisch, weil es zu kostenaufwändig gewesen wäre.

Jetzt steht der nächste Schritt an: In der Vermögensverwaltung werden das zum Beispiel individuell zusammengestellte und verwaltete Portfolios ab sehr kleinen Anlagesummen sein. Ohne höhere Kosten – dank Technologie.“

FTL: Welche Fintech-Start-Ups haben deiner Meinung nach die beste Chance, ganze Märkte umzukrempeln und warum?
Manuela: „Im Bereich der Geldanlage, in dem ja auch Scalable Capital aktiv ist, gibt es ein enormes Potenzial. Denn mit Technologie lässt sich hier noch vieles verbessern – übrigens nicht nur für Anleger kleinerer Summen, sondern auch für vermögende Kunden. Siehe das Stichwort „Personalisierung“, das ich ja bereits angesprochen habe.

Aber auch im Verstehen und der Schaffung von Transparenz zu Risiko-Rendite-Aspekten ist noch einiges an Fortschritt drin. Ich rechne zum Beispiel fest damit, dass wir noch viel mehr Fortschritt beim Thema nachhaltige Geldanlagen sehen werden, sobald man die finanziellen Trade-offs besser berechnen und an die Investoren kommunizieren kann und ihnen bessere Möglichkeiten geben kann, ihre Portfolios individuell zusammenzustellen.

Fintechs, die hier mitmischen und Technologien entwickeln, die auch für etablierte Banken und andere Unternehmen geeignet sind, können diesen Bereich anhaltend prägen.“

FTL: Welche Lady sollten wir für unseren Blog interviewen?
Manuela: „Dorothee Blessing fände ich spannend. Sie hat sich im sehr männerdominierten Investment-Banking nach oben gekämpft und das schon vor 20 Jahren. Ich fände es toll, mehr dazu zu hören, wie sie das geschafft hat – von ihrem sicherlich hohen Arbeitspensum und ihrer Intelligenz mal abgesehen. Und ich bin mir sicher, dass sie die eine oder andere spannende Anekdote zu erzählen hätte.“

FTL: Und nun zu unserer Abschluss-Frage: Was ist Dein Ausgleich zu Deinem Job?
Manuela: „Ich bin erst vor kurzem Mutter geworden und verbringe jetzt am liebsten jede freie Minute mit meiner Tochter. Es ist wunderbar zu sehen, wie sie die Welt und ihre täglich vielfältigeren Fähigkeiten entdeckt.“

Wow, sehr inspirierend! Danke liebe Manuela – wir sind total gespannt auf Deine Fintech Story im Rahmen der Fintech Week. Manuela ist übrigens auch auf LinkedIn aktiv – schaut doch mal vorbei und vernetzt euch. 

Payment-Anbieter RatePAY: Interview mit Julia Tschawdarow

Schon mal online in Raten gezahlt? Und das mit nur einem Klick? Falls ja, dann könnte das mit einer großen Wahrscheinlichkeit über RatePAY erfolgt sein. Das Berliner Unternehmen wurde 2009 gegründet und bietet Onlinehändlern Payment-Lösungen für Ratenzahlung, Rechnungskauf, Lastschriftverfahren oder Vorkasse an. Dabei übernimmt RatePAY die komplette Abwicklung und das Ausfallrisiko.

Wir konnten mit Julia Tschawdarow, Head of Marketing & PR, bei RatePAY sprechen.

Payment ist vielseitig

Julia hat uns erzählt, dass es in ihrem Job nie langweilig wird.  Zusammen mit ihrem Team ist sie für die komplette Außen-Kommunikation und das Branding des Online-Payment Anbieters verantwortlich. Da kann man sich vorstellen, dass kein Tag dem anderen gleicht.

Zum daily business gehören zahlreiche Aufgaben: Presseanfragen beantworten, Geschichten schreiben, Veranstaltungen planen, Strategien und Konzepte entwerfen, Social Media steuern, interne Kommunikation vorantreiben und noch so viel mehr. Trotzdem hat sich Julia die Zeit genommen und unsere fünf Fragen beantwortet.

Julia vom Payment-Anbieter RatePAY
Julia vom Payment-Anbieter RatePAY

Interview

FTL: Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Julia: „Also ich finde selbstverständlich das Thema Online-Payment am Spannendsten 🙂 Für einen Kommunikatoren wie mich ist das Thema erst mal eine harte Nuss. Es interessiert nämlich im Grunde genommen niemanden.

Wer bezahlt schon gerne? Umso wichtiger und daher auch spannender ist es für mich, Content und Geschichten rund um das Thema Payment zu schaffen, die relevant und interessant sind. Warum brauchen wir gute und einfache Bezahlmethoden? Oder eine 1a Risikoprüfung? Hinter dem Thema Payment stecken hochkomplexe Prozesse. Die in einfache Botschaften zu übersetzen, egal ob für Endkunden oder Händler, ist eine Aufgabe, die mich nie langweilen wird.“

FTL: Wo sammelst Du Inspirationen?
Julia: „Inspiration hole ich mir aus ganz vielen Ecken. Ich gehe gerne zu Netzwerk-Treffen, wo ich schon viele spannende Leute getroffen habe. Auch ganz viele tolle Frauen, die im Finanz- oder Tech-Bereich arbeiten und da die Zukunft mitgestalten. Das ist extrem inspirierend. Aber auch bei anderen Branchen-Events hole ich mir viel Input. Gerade hier in Berlin ist so unheimlich viel los, da ist es fast schwieriger, nicht inspiriert zu werden.

Auch in ruhigen Moment lasse ich mich inspirieren, zum Beispiel am Meer auf meiner Heimatinsel Rügen oder an einem der vielen Seen im Berliner Umland. Und zu guter Letzt liebe ich Pinterest und könnte da stundenlang in den Ideen anderer Leute abtauchen.“

FTL: Warum übt Fintech auf dich persönlich so eine Faszination aus?
Julia: „Fintech-Kommunikation ist nicht 08/15. Ich bin als Botschafter gleich in mehreren Missionen unterwegs: Was machen wir bei RatePAY? Was ist eigentlich Fintech? Welche Chancen bieten sich für Frauen in der Fintech-Branche (unendlich viele!)? Was macht Künstliche Intelligenz und Machine Learning mit unseren Finanzen?

Meine Arbeit richtet sich sowohl an Onlineshopper als auch an Händler, an Investoren, Partner und Kollegen… Leider ist es immer noch schwierig, neue Mitarbeiter zu finden, viele Studenten wollen lieber zu bekannten Consumer Brands und sehen dabei die Chancen nicht, die sich in einem hochdynamischen Wachstumsmarkt wie unserem ergeben. Bei uns gibt es für neue Talente viel mehr Gestaltungsräume und Experimentiermöglichkeiten als bei den großen Unternehmen, wo oft schon alles genau durchgeplant ist.“

FTL: Was ist deine größte bisherige oder permanente Herausforderung in deinem Job?
Julia: „Die größte Herausforderung ist gleichzeitig auch das Tolle an meinem Job: Die ganze Branche, die ganzen digitalen Dienstleistungen in unserem Bereich ändern sich permanent. Heute ist nichts so, wie es gestern war. Jetzt gerade gibt das Thema künstliche Intelligenz der Branche wieder einen riesen Anschub. Darauf in der Kommunikation immer wieder neu Bezug zu nehmen, ist eine Herausforderung.

Im Gegensatz zu anderen Branchen kann man bei uns nicht einfach ein Konzept aus der Schublade ziehen, was vor 18 Monaten schon mal ganz nützlich war. Wenn man nicht auch privat ein Grundinteresse an digitalen und technologischen Themen hat, ist es glaube ich schwer, am Ball zu bleiben.“

FTL: Und Julia, was ist Dein Ausgleich zu Deinem Job?
Julia: „Ich liebe Gin Tonic 🙂 Abgesehen davon fahre ich viel durch die Gegend oder entspanne am Meer auf meiner Heimatinsel Rügen. Ich achte darauf, dass ich dann wirklich ganz raus bin. Denn um kreative Jobs wie meinen gut machen zu können, ist es wichtig, sich immer mal komplett rauszunehmen und was ganz anderes zu machen. Nicht nebenher noch zehn E-Mails beantworten oder die latest News der Fintech-Welt googeln.

Um abzuschalten, eignet sich auch ein intensives Hobby sehr gut. Bei mir ist das Westernreiten. Das kann ich nur gut machen, wenn ich hundertprozentig bei der Sache bin. Aber auch andere kreative Tätigkeiten (Heimwerken, Handarbeit), die ganz andere Hirnareale beanspruchen, helfen mir, richtig runterzukommen und dann wieder mit neuer Energie und neuen Perspektiven an die Arbeit zu gehen.“

Danke liebe Julia! Das sind spannende Einblicke, die wir da von Dir erfahren haben. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

FTL DeepDive bei Penta in Berlin

Nie wieder mittelmäßiges Banking – so lautet das Credo des Berliner Fintechs Penta. Selbiges lud die Fintech Ladies am 15. August 2018 zu einem DeepDive ein. Penta bietet Geschäftsbanking für KMUs und stellte den Teilnehmerinnen den Weg von der Idee zum Produkt vor. Dabei geht es Penta vor allem um Einfachheit, Kundenorientierung, Sicherheit, Schnelligkeit und Transparenz. Besonders das umfassende Einbeziehen des Kundenfeedbacks zeichnet Pentas Herangehensweise an die Weiterentwicklung des Produktes aus. Dies weckte das Interesse der Teilnehmerinnen und erzeugte spannende Diskussionen.

 

Vielen Dank an Jessica Holzbach und ihre Kolleginnen für den tollen Abend und den spannenden Einblick in die Welt von Penta. Wir kommen gerne wieder 🙂

5 Fragen an… Stella Regna von Figo

Stella Regna, bekannt auch als die PR-Frau hinter figo, hat im Job-Alltag so einiges zu tun: Presseanfragen und Interviews beantworten, Speakerslots für ihre Kollegen auf wichtigen Branchen-Events organisieren oder eigene Events wie aktuell den Bankathon vorbereiten. Trotzdem hat sie es sich nehmen und sich von uns interviewen lassen und darüber freuen wir uns sehr.

Stella Regna ©Foto by Sarah Eick

Doch nun erst einmal kurz zu figo. Der B2B-Anbieter ermöglicht Dritten durch die Einbindung der figo-Technologie den Zugang zu diversen Finanzquellen, wie Bankkonten, Kreditkarten, Depots, Zahlungsmethoden, Fintechs und mehr. figo hat sich seit der Gründung immer mehr zum Bank-Dienstleister etabliert.

Stella, warum übt Fintech auf dich persönlich so eine Faszination aus?
Stella: „Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich diesen Begriff das erste Mal gehört. Die Fragezeichen standen in meinem Gesicht. Auch die unzähligen Abkürzungen wie API, SaaS, PSD2, XS2A oder 2FA brachten für den Moment nicht unbedingt Licht ins Dunkel. Und trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen, hat es mir in den Fingern gejuckt, mich in erster Linie mit figo als Unternehmen und natürlich damit einhergehend mit der Branche zu beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich tatsächlich das erste Mal damit auseinandergesetzt, dass nicht nur meine Bank Anlaufstelle in puncto Banking sein muss. Nicht, dass ich großartig Interesse daran gehabt hätte, mich mit der Bank “meines Vertrauens” bzw. mit der Bank, bei der ich einfach seit meinem 19. Lebensjahr ein Konto habe, und deren Produkten zu beschäftigen. Je länger ich bei figo gearbeitet habe, desto mehr ist mir bewusst geworden, woran ich eigentlich gerade teilhaben darf. Es entstand gerade eine neue Branche. Auch jetzt sind wir alle, die in diesem Bereich tätig sind, hautnah dabei, wie sich ein neuer Wirtschaftszweig etabliert – mit allen Höhen und Tiefen. Es kommen immer wieder Ideen, Produkte und Player auf den Markt, die einem sofort das “Wow” entlocken. Und natürlich gibt es auch diejenigen, bei denen man sich denkt: “Joa, gut, es gibt zwar schon unzählige P2P-Payment Services, aber Deins ist bestimmt noch ein bisschen besser”.

In der Summe ist es aufregend, in diesem Bereich zu arbeiten. Mittlerweile ist die Branche ja auch nicht mehr einfach nur neu, sondern hat erste Entwicklungen und Veränderungen durchgemacht. Waren die Fintech-Unternehmen zu Beginn der medial erklärte Feind der Banken, geht es jetzt um Kooperationen und Symbiosen. Es geht um den Mehrwert, den Fintech-Unternehmen und Banken Kunden gemeinsam bieten können. Der PSD2 sei Dank agieren wir Fintech-Unternehmen mittlerweile auch nicht mehr in angreifbaren rechtlichen Grauzonen, sondern sind legitimierte Marktteilnehmer.

Was machen Frauen aus Deiner Sicht im Berufsleben anders als Männer?
Stella: „Ich bin davon überzeugt, dass viele Frauen neben ihrer fachlichen Qualifikation, Intuition mitbringen. Oder anders: Frauen haben ein Gespür für verschiedene Situationen, für Interaktionen zwischen Kollegen oder für Stimmungen in Kundengesprächen beispielsweise. Ich will nicht sagen, dass Männer gar nicht über emotionale Intelligenz verfügen – bloß in einer anderen Ausprägung.

Was Frauen auch anders, oder einfach mal nicht so gut machen: intensiv netzwerken, einander pushen oder sich gegenseitig empfehlen. Ja, böse Zungen können an der Stelle sagen, dass wir männliche Verhaltensweisen nicht übernehmen sollten, und doch sieht die Realität im Moment noch anders aus. Wir müssen einander viel mehr unterstützen und ineinander Vorbilder sehen, wofür wir natürlich auch einfach mal viel mehr Frauen in der Branche und in Führungspositionen brauchen!

Ist das auch einer der Gründe, warum Dir unser Fintech Ladies Netzwerk gefällt?
Stella: „Ich hatte eigentlich immer Vorurteile, wenn es um das Thema Frauennetzwerke ging. Erfahrungen mit solchen Communities waren geprägt von einem gemeinsamen Lamentieren und gegenseitigen Bemitleiden, das Netzwerken als solches ist oft in den Hintergrund gerückt. Die Fintech Ladies haben mich da aber schnell eines Besseren belehrt. In unserem Netzwerk gibt es so viele unglaublich tolle Frauen, die was zu sagen haben, die Meinungen vertreten und ihren Job mit Leidenschaft und Engagement machen. Ich gehe gern zu den FTL DeepDives in Hamburg, um mittlerweile bekannte Gesichter regelmäßig wiederzusehen oder eben um neue Menschen in der Fintech-Welt kennen zu lernen!“

Was ist deine größte bisherige oder permanente Herausforderung in deinem Job?
Stella: „Unabhängig von der Branche ist meine größte permanente Herausforderung, dass im Kontext PR viele Menschen der Meinung sind, mitreden zu können oder es einfach besser zu wissen. PRler arbeiten nicht mit außergewöhnlichen Programmiersprachen oder komplexen mathematischen Formeln. Es geht unter anderem um das Beherrschen von Sprache, um Formulierungen, um Redegewandtheit, um das Spielen mit Worten, um das Schaffen von klaren Aussagen, um Diplomatie und manchmal auch um die Organisation des perfekten Events. So wie nicht jeder ein genialer Chemiker sein kann, muss auch nicht jeder in der Lage sein können, den Job eines PR-Managers zu machen.

Und unsere letzte Frage: Wo sammelst Du Inspirationen?
Stella: „Tatsächlich passiert es mir eher selten, dass Menschen mich wirklich faszinieren, nachhaltig beeindrucken und mich somit inspirieren. Sind mir solche Unikate erst einmal über den Weg gelaufen, schätze ich den persönlichen Austausch, hole mir gerne Rat ein und diskutiere Themen aus. Hier bei figo gibt es ein paar dieser speziellen Menschen: Die Zusammenarbeit mit André (Anmerkung der Redaktion: André M. Bajorat, CEO von figo) spornt an und lässt einen über sich hinaus wachsen. Bianca (Anmerkung der Redaktion: Biana Steinke, Head of Technical Services bei figo) besticht durch Direktheit. Cornelia inspiriert durch Cleverness und Eloquenz (Anmerkung der Redaktion: Cornelia Schwertner, figo’s Head of Regulation) . Und Lars ist “schuld” daran, dass ich mich in der Branche zurechtgefunden und sie lieben gelernt habe (Anmerkung der Redaktion: Lars Markull, API  Evangelist bei figo). Es kommt natürlich auch immer ein bisschen darauf an, ob die private Stella oder der Business-Mensch in mir Inspiration braucht.

Natürlich höre ich einschlägige Podcasts, lese zynische Newsletter und abonniere branchenrelevante Rundschreiben. Gleichzeitig ist der Kontakt zur Welt vor figo wichtig. Ich komme aus dem klassischen PR-Umfeld, zu dem ich noch enge Verbindungen habe, damit Kommunikationstrends nicht an mir vorbeiziehen. Grundsätzlich kann ich sagen, dass mich Cleverness, Selbstreflektion, Bodenständigkeit, Eloquenz und eine angenehme Stimme (ein Insider für meine lieben Kollegen ;-)) inspirieren.

Herzlichen Dank, liebe Stella, für Deinen Input und dass Du Deine Gedanken mit uns geteilt hast. 

5 Fragen an… Nina Roth

Nina Roth arbeitet mit Regulatoren und Banken in Schwellenländern zu nachhaltigen Finanzen. Ende 2017 hat Nina, zusammen mit zwei Partnerinnen aus der Schweiz, das Unternehmen InvestSustain gegründet, eine Transparenz- und Investitionsplattform für nachhaltige Finanzprodukte.  Ihre Zeit hier verbringt sie vor allem mit Business Plänen, Recherche und Analyse von Produkt- und Nachhaltigkeitsdaten, Wissensaufbau zum Tech-Hintergrund sowie strategischen Überlegungen zur Finanzierung und Niederlassung des Vorhabens.

Wir haben mit ihr gesprochen, wie sie das Fintech-Umfeld wahrnimmt und auch, wo sie Inspirationen sammelt und was sie in ihrer Freizeit macht. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Nina: „Es gibt zahlreiche riesige gesellschaftliche Herausforderungen für die Fintech Lösungen anbieten kann und letztlich auch muss, wenn wir die Welt verbessern wollen. Hier gab es in den letzten ein-zwei Jahren mehr Dynamik. Dabei haben sich mehr und mehr Fintechs entwickelt, die neben ökonomischen Interessen auch soziale und ökologische Aspekte beachten. Sei es das Green Assets Wallet, das via Blockchain grüne Investitionen in Schwellenländern nachvollziehbarer machen will, die gender lense investing Plattform von Think Yellow, der geplante „Roboadvisor“ von 2°ii zur Beachtung von Klimaaspekten bei Investitionen, oder StarTalers, ein digitaler Finanzcoach für Frauen. In dem Zusammenhang kann ich auch das Diskussionspapier von – unter anderem – der Fair Finance Initiative zu „Roadmap to Conscious Fintech“ empfehlen.“

© Nina Roth

Was ist deine größte bisherige oder permanente Herausforderung in deinem Job?
Nina: „Es gibt zwei große Herausforderungen. Die erste ist die Entscheidung,  die Gründung voll durchzuziehen. Das hat kurzfristig finanzielle Konsequenzen, bringt Unsicherheit mit sich, aber natürlich auch den Spielraum und die Energie, die eine Gründung bedarf. Und die zweite große Herausforderung ist, dass Du anfangs entweder alleine oder in einem sehr kleinen Team agierst und alle Aufgaben bewältigen musst. Das erfordert ständige Neu-Priorisierungen und sehr viel Multi-Tasking. Das ist anstrengend, aber auch toll dynamisch. Bei beiden Herausforderungen kann umso mehr super-early-stage-funding helfen!“

Wo sammelst Du Inspirationen?
Nina: „Im Internet, auf Reisen und in Gesprächen mit Freund_innen.“

Warum übt Fintech auf dich persönlich so eine Faszination aus?
Nina: „Ich habe lange in der Finanzbranche gearbeitet und sie geschätzt als einen Ort, wo Mensch Veränderungen  erreichen kann. Beispielsweise im Risk Management durch strukturelle Änderungsanforderungen an Unternehmen vor der Kreditvergabe oder durch Mobilisierung von Privatkapital für nachhaltige Zwecke. Dennoch habe ich die Branche als eher konservativ und die Produkt- oder Prozessentwicklungen als nicht wirklich innovativ wahrgenommen. Da bringt Fintech seit einiger Zeit neuen Wind rein. Ich empfehle insbesondere den Blick nach Asien, da wird noch mehr Fintech-Innovation betrieben (und nicht nur existierende Prozesse digitalisiert).“

Welches Buch hat Dich zuletzt so beeindruckt, dass Du es einer Freundin weiterempfehlen würdest?
Nina: „Kurz wollte ich ein Buch über Demenz empfehlen, aber das ist vielleicht zu trist. Also etwas Unterhaltsames: Min Jin Lee’s Pachinko! Eine koreanisch-japanische Familiengeschichte über fast zwei Jahrhunderte hinweg mit Liebe, Kriminalität, Krieg, Stadt-Land-Gegensätzen, Geschwister- und andere Beziehungen, von totaler Armut zu totalem Reichtum und zurück, und alles verwebt mit der Mafia. Ein großer Spaß!“

Vielen Dank für Deine Inspiration und Deine wertvollen Tipps, liebe Nina!

moinBlockchain Konferenz

Am 09. und 10. März  2018 haben wir eine Fintech Lady auf die moinBlockchain Konferenz vom gemeinnützigen Verein moinworld e.V. geschickt. Als Dankeschön für das verloste Freiticket erzählt uns die Gewinnerin Nina Young hier von ihren Eindrücken:

 

Im März durfte ich dank der Fintech Ladies die moinBlockchain Konferenz im Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg besuchen. Ich habe viel gelernt – und wie man sieht, ein wenig gebraucht, um das Gelernte zu verarbeiten. Unter dem Motto „Diversity meets Tech Innovation“ habe ich mit vielen anderen zusammen zu den Themen Blockchain, Fintechs, Wirtschaft und Kryptowährungen sowie Diversity und Zukunftsgestaltung diskutiert. Hier einige Eindrücke:

Am ersten Tag der Konferenz wurden alle TeilnehmerInnen mit einem Vortrag zur Geschichte des Geldes abgeholt: Während sich die Menschen früher auf Muscheln, Steine, Metalle, Salz und Reis als Tauschmittel geeinigt hatten, hat sich Papier u.a. auf Grund seiner Leichtigkeit bald durchgesetzt. Seit den 1930er Jahren haben viele Länder die Bindung an den Goldstandard wieder abgeschafft. Auf der Konferenz wurde argumentiert, dass Geld etwas rein Psychisches ist, eine Vereinbarung, ein Konsens. Unter diesem Hintergrund müssen wir uns überlegen, wie wir die Denkweise von Menschen in Bezug auf Blockchain ändern können. Das ist eine der Herausforderungen unserer Gegenwart.

Was hat Bitcoin mit Blockchain zu tun?

Aber warum sprechen wir überhaupt über die Geschichte des Geldes, wenn es auf der Konferenz um Blockchain geht? Ein sich als „Satoshi Nakamoto“ ausgebender Mensch hat vor einem Jahrzehnt zum ersten Mal Bitcoins basierend auf der Blockchain beschrieben. Bitcoin wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Kryptowährung oder digitale Währung bezeichnet, also Geld. Laut Vortragender ist Saoshi vor der Entwicklung von Bitcoin und somit Blockchain das Double Spending Problem angegangen – die Gefahr, eine Online-Geldtransaktion zu verfälschen und banal gesprochen dasselbe Geldstück zweimal auszugeben.

Vortrag über das Double-Spending Problem ©Nina Young

 Einige Vorteile der Blockchain-Technologie

  • Validierung: Transaktion muss durch Dritten (MinerIn) geprüft und bestätigt werden
  • Legitimation: Alle Transaktionen und Mitwirkenden sind aufgelistet (eine Aufgabe, die bisher beispielsweise Banken innehaben) und können somit nachgewiesen werden
  • Incentives: Blockchain bietet verschiedene Anreize, um mitzumachen, bei Bitcoin beispielsweise im Code enthalten
  • Demokratisierung: Zumindest in der Theorie kann jeder mitmachen. In der Praxis gibt es jetzt schon professionalisierte Mining-Farmen, sodass der Einstieg schwer bis nahezu unmöglich ist
  • Dezentral: Daten sind nicht an einem Ort, sondern an vielen gespeichert, was Fälschungen schwierig macht
  • Open Source: Der Code kann eingesehen und für eigene Zwecke verwendet werden
  • Geschwindigkeit: Geldtransfer – vor allem global – ist teuer und kann Tage dauern, Blockchain funktioniert in Realtime

Einige Praxisbeispiele mit der Blockchain-Technologie im Einsatz

  • Nachweis von Identität (beispielsweise Geburtsurkunde) und Eigentum wie beispielsweise Landbesitz
  • Mode: Verstehen, wo ein Kleidungsstück herkommt. Zum Beispiel setzt Martine Jarlgaard diese Methode ein.
  • Miete: Das Unternehmen DOMA bietet seinen Nutzern Wohneinheiten zu einem monatlichen Preis an, der im Laufe der Zeit abnimmt. Die Veträge basieren auf Blockchain-Technologie (Smart Contracts).
  • CarPass: Ein Datenausweis für Autos. Er zeigt, wann das Auto hergestellt wurde, wer das Auto gefahren ist, wo es war, wie es behandelt worden ist. Hier bietet Blockchain beispielsweise Vorteile für Flottenmanagement-Anbieter, Logistikunternehmen sowie Werkstätte.
  • Health Tech: In Notfällen, zum Beispiel eine Naturkatastrohe, gehen wichtige medizinische Daten verloren. Und: Krankenhäuser brauchen bis zu 90 Tage, bis sie ihr Geld von Versicherungen zurückbekommen. Beide Probleme können durch Blockchain gelöst werden.
  • Sharing Economy: Menschen teilen sich Ressourcen. Um Identitäten festzustellen, NutzerInnen zu autorisieren und Zahlungsabwicklungen zu verfolgen, wird die Blockchain-Technologie eingesetzt.

Einblick in einen weiteren Vortrag: Was machen eigentlich ein/e MinerIn und wer bezahlt ihn/sie?

Beim Mining-Vorgang wird ein Block innerhalb einer Blockchain erzeugt. Um zum Zug zu kommen, muss ein/e MinerIn ein mathematisches Rätsel lösen. Wer als Erstes die Lösung hat, wird als MinerIn dieses Blocks akzeptiert. Der/die MinerIn erhält für die Arbeit ein Honorar in Form von Kryptowährung (Bitcoin). Das sind derzeit 12,5 Bitcoins pro bestätigter Transaktion. Dies ist im Blockchain-Code so festgehalten.

Mining farming ©Nina Young

Ein Blick in die Zukunft

Ein großes Thema auf der Konferenz war das Thema “Skalierbarkeit”. Derzeit finden zehn Bitcoin-Transaktionen pro Minute statt. IBM gibt an, 3.500 pro Minute zu schaffen. Eine Zahl, über die einige Banker sicher müde lächeln. Bisher reicht die Anzahl der Transaktionen pro Minute nicht aus, um Bitcoin für Banken attraktiv zu machen. Daneben gibt es noch viele weitere Zukunftsthemen – oder besser: Zukunftsfragen – Wie sicher ist das System? Wie geht man mit Splittergruppen innerhalb einer Kyptowährung um? Wie stark hängen das Darknet, „das Böse“ und die Blockchain-Technologie zusammen? Sollten wirklich alle Transaktionen öffentlich einsehbar sein oder brauchen wir private Blockchain-Transaktionen?

Zusammengefasst war die Moinblockchain-Konferenz ein sehr gelungenes Event. Die eingeladenen Unternehmen und SprecherInnen waren vielfältig und divers, der Austausch rege. Die Schlussrede lässt darauf schließen, dass die Konferenz in die nächste Runde geht.

Hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei den Fintech Ladies bedanken, die mir den Konferenzbesuch ermöglicht haben!  Nina Young, Programme Manager bei Hotwire

Folgt Nina auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/ninayoung/