Fintech Week: Interview mit Keynote Speakerin Dr. Manuela Rabener

Von heute an steht Hamburg für fünf Tage voll und ganz im Zeichen der Finanztechnologie, kurz Fintech. Denn heute startet die Fintech Week. Die Veranstaltungswoche geht vom 15. bis 20. Oktober 2018.

Wir haben bereits berichtet, dass die Fintech Ladies den Montagnachmittag aktiv mitgestalten. Dazu zählen die Fintech Stories, die am 15. Oktober 2018 im Zeitraum von 14.00 – 17.00 Uhr im Hamburger betahaus stattfinden. Bei den Fintech Stories erzählen fünf Protagonisten ihre persönliche Success Story. Eröffnet wird dies mit einer Keynote von Dr. Manuela Rabener von Scalable Capital.

Die Fintech Stories mit Manuela

Manuela ist Co-Founderin von Scalable Capital. Das Unternehmen hat innerhalb kurzer Zeit den Markt der Robo-Advisor erobert und mittlerweile mehr als eine Milliarde Assets unter Management. Hier gibt Manuela vorab ein paar Einblicke in ihre Success Story.

Bei Scalable Capital ist sie für alles verantwortlich, was mit der Außenkommunikation zu tun hat. Dazu zählen Marketing, Pressearbeit, CRM und Corporate Design. Das Unternehmen verfügt über zwei Büros: in London und in München (sie sitzt mit ihrem Team in London), die es über die Landesgrenzen hinweg zu koordinieren gilt. Mehr zu ihrem Werdegang, ihren Aufgaben sowie aktuellen Herausforderungen wird euch Manuela sicherlich auf der Fintech Week verraten – hier folgt nun unser Interview.

Die Kommunikatorin bei Scalable Capital: Dr. Manuela Rabener
Die Kommunikatorin bei Scalable Capital: Dr. Manuela Rabener

Interview

FTL: Manuela, was war die wichtigste Erfahrung für dich als Gründerin?
Manuela: „Das Scheitern und die Analyse der Gründe dafür. Mein erstes Startup hat nicht funktioniert und ich habe extrem viel dadurch gelernt. Ich bin jetzt viel kritischer in meiner Bewertung des Potenzials einer Idee, würde keinesfalls mehr Anteile im Gegenzug für eine Medialeistung eines Partners hergeben und kann Annahmen eines Businessplans deutlich realistischer einschätzen.

Spannend fand ich auch herauszufinden, wie leicht oder wie schwer es einem fällt, sich nach mehreren Jahren mit einem sehr guten, sicheren Gehalt wieder auf einen niedrigeren Lebensstandard einzustellen. Denn Gründen ist ja in den Anfangsjahren finanziell nicht sexy, auch wenn man in den Medien zumeist von erfolgreichen Gründern liest, die irgendwann Millionäre werden. In der Realität müssen Gründer – gerade zu Beginn – den Gürtel erst einmal enger schnallen. Und nicht immer wird man langfristig dafür belohnt. Mit diesem Risiko und damit, dass so mancher Peer an einem vorbeizieht in Sachen Gehalt, muss man leben können, sonst wird man als Gründer nicht glücklich und gibt womöglich zu früh auf.“

FTL: Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Manuela: „Die konsequente Personalisierung durch die Nutzung von Technologie. Wir kommen aus dem Zeitalter der Massenproduktion, die den Nutzen mit sich brachte, dass mehr Menschen immer günstigere Produkte konsumieren konnten. Das Individuelle fiel dabei jedoch unter den Tisch, weil es zu kostenaufwändig gewesen wäre.

Jetzt steht der nächste Schritt an: In der Vermögensverwaltung werden das zum Beispiel individuell zusammengestellte und verwaltete Portfolios ab sehr kleinen Anlagesummen sein. Ohne höhere Kosten – dank Technologie.“

FTL: Welche Fintech-Start-Ups haben deiner Meinung nach die beste Chance, ganze Märkte umzukrempeln und warum?
Manuela: „Im Bereich der Geldanlage, in dem ja auch Scalable Capital aktiv ist, gibt es ein enormes Potenzial. Denn mit Technologie lässt sich hier noch vieles verbessern – übrigens nicht nur für Anleger kleinerer Summen, sondern auch für vermögende Kunden. Siehe das Stichwort „Personalisierung“, das ich ja bereits angesprochen habe.

Aber auch im Verstehen und der Schaffung von Transparenz zu Risiko-Rendite-Aspekten ist noch einiges an Fortschritt drin. Ich rechne zum Beispiel fest damit, dass wir noch viel mehr Fortschritt beim Thema nachhaltige Geldanlagen sehen werden, sobald man die finanziellen Trade-offs besser berechnen und an die Investoren kommunizieren kann und ihnen bessere Möglichkeiten geben kann, ihre Portfolios individuell zusammenzustellen.

Fintechs, die hier mitmischen und Technologien entwickeln, die auch für etablierte Banken und andere Unternehmen geeignet sind, können diesen Bereich anhaltend prägen.“

FTL: Welche Lady sollten wir für unseren Blog interviewen?
Manuela: „Dorothee Blessing fände ich spannend. Sie hat sich im sehr männerdominierten Investment-Banking nach oben gekämpft und das schon vor 20 Jahren. Ich fände es toll, mehr dazu zu hören, wie sie das geschafft hat – von ihrem sicherlich hohen Arbeitspensum und ihrer Intelligenz mal abgesehen. Und ich bin mir sicher, dass sie die eine oder andere spannende Anekdote zu erzählen hätte.“

FTL: Und nun zu unserer Abschluss-Frage: Was ist Dein Ausgleich zu Deinem Job?
Manuela: „Ich bin erst vor kurzem Mutter geworden und verbringe jetzt am liebsten jede freie Minute mit meiner Tochter. Es ist wunderbar zu sehen, wie sie die Welt und ihre täglich vielfältigeren Fähigkeiten entdeckt.“

Wow, sehr inspirierend! Danke liebe Manuela – wir sind total gespannt auf Deine Fintech Story im Rahmen der Fintech Week. Manuela ist übrigens auch auf LinkedIn aktiv – schaut doch mal vorbei und vernetzt euch. 

Fintech Week: Interview mit Anke Dassler von KPMG

Auf der Fintech Week spricht Anke Dassler, Partner bei KPMG Germany, bei unseren Fintech Stories. Ihr könnt sie live am 15. Oktober 2018 im Zeitraum von 14.00 – 17.00 Uhr im Hamburger betahaus erleben. Auf unserem Blog gibt uns Anke schon einmal einen kleinen Vorgeschmack, indem sie uns das Fünf-Fragen-Interview beantwortet hat.

Fintech: Beratung der Finanzbranche

Anke arbeitet seit knapp 17 Jahren bei KPMG – davon mehr als sieben Jahre als Partner. Sie arbeitet überwiegend mit Banken, Fintechs und Asset Managern zusammen. Zu ihren täglichen Aufgaben gehören die Beratung und Prüfung aktueller Themen, die ihre Kunden beschäftigen. Damit ist sie immer als Puls der Zeit unterwegs.

Anke Dassler, Partner bei KPMG, berät Fintech-Unternehmen
Anke Dassler, Partner bei KPMG, berät Fintech-Unternehmen

Interview

FTL: Warum ist es so wichtig, dass es in der Fintech-Branche Frauen generell und Frauen in Führungspositionen gibt?
Anke: „Wir brauchen mehr Heterogenität in Führungsetagen, da Deutschland sonst an Innovationskraft verliert. Dies trifft auf Fintechs als Motor der Innovation in der Finanzbranche ganz besonders zu. Homogenität bedeutet Stillstand und Stillstand bedeutet Abstieg und das wollen wir bestimmt nicht.“

FTL: Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Anke: „Ich sehe, dass Fintechs mehr und mehr in klassische Felder vordringen und dort steckt für mich das größte Potenzial: angestaubte Produkte und Prozesse mit einem großen Hebel für die Wirtschaft.

So finde ich z.B. Innovationen um Finanzprodukte für den Mittelstand oder Versicherungen sehr spannend. Da gibt es großartige Chancen für Innovation.“

FTL: Wo sammelst Du Inspirationen?
Anke: „Parallel zu meiner Tätigkeit bei KPMG arbeite ich an meinem PhD an der Vrije Universiteit in Amsterdam.

Hier forsche ich zu aktuellen Themen der Organisationsentwicklung und komme in Kontakt mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Unternehmen, die sich mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigen, z.B. „Brauchen wir zukünftig noch Führungskräfte und wenn ja, wofür.“

FTL: Welche Fintech-Start-Ups haben deiner Meinung nach die beste Chance, ganze Märkte umzukrempeln und warum?
Anke: „Nach all dem, was ich am Markt sehe, ist Fokussierung der Schlüssel zum Erfolg. Wichtig ist, vom Kunden her ein ganz bestimmtes Problem zu lösen und hierfür eine innovative Lösung anzubieten.

Aus meiner Sicht, war die Zeit nie so reif für Innovationen wie jetzt: rasante technologische Entwicklung, Generationswechsel in vielen Unternehmen und geändertes Kundenverhalten.“

FTL: Was machen Frauen im Berufsleben anders als Männer?
Anke: „Ich glaube, dass Frauen eine Reihe von Fähigkeiten mitbringen, die gerade in Zeiten von Digitalisierung immer wichtiger werden. Empathie ist ein schönes Beispiel.

Wenn mehr und mehr automatisiert wird, braucht es Führungskräfte, die Menschen begeistern und mitnehmen können. Und da haben Frauen in der Regel eine stärkere Ausprägung als Männer. Die Kunst ist, auf diese Talente zu vertrauen und sich nicht unterkriegen zu lassen.“

Herzlichen Dank, für Deine Zeit, liebe Anke! Wir freuen uns schon sehr auf Deine Geschichte bei den Fintech Stories. Wer sich in der Zwischenzeit mit Anke vernetzen möchte, findet sie auf LinkedIn.

5 Fragen an… Jessica Holzbach von Penta – Banking 2.0

Liebe Fintech Ladies! Freut euch auf ein neues Interview mit Jessica Holzbach. Sie ist Co-Founder & Customer Relations bei Penta, einem Unternehmen für neues, digitales Banking.

Das Unternehmen ist ein Fintech mit Hauptsitz in Berlin. Penta hat es sich zum Ziel gesetzt, das Geschäftsbanking für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Startups zu revolutionieren. Warum? Weil die drei Gründer gefrustet von den verfügbaren Banking-Angeboten waren. Ihren Erfahrungen nach waren die Banken langsam und ineffizient. Zudem hatten sie komplexe Online-Banking-Benutzeroberflächen und boten schlechten Kundenservice. Innovationen und ein offenes Ohr für den Kunden weit gefehlt.  So beschlossen sie, es mit ihrem eigenen Unternehmen Penta besser zu machen.

FTLDeepDive

Wir haben Jessica Holzbach und ihr Unternehmen kürzlich im Rahmen unserer beliebten FTL DeepDive Reihe in Berlin besucht. Zeit genug für ein knackiges Interview. Jessica hat uns erzählt, das als Gründer kein Tag dem anderen ähnelt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das Customer Relations Team aufzubauen. Außerdem arbeitet sie daran, die passende IT Infrastruktur bereitzustellen und Feedback-Zyklen zu integrieren. Ein weiteres wichtiges Thema, welches sie begleitet, ist der Bereich Operations. Doch nun mehr zu Jessica in unserem Interview.

Interview

FTL: Warum ist es so wichtig, dass es in der Fintech-Branche Frauen generell und Frauen in Führungspositionen gibt?
Jessica: „Das ist meiner Meinung ganz einfach und logisch: Intelligenz, Talent und Fähigkeiten sind gleichverteilt auf beide Geschlechter. Würden wir uns nur auf Startups von männlichen Gründern beschränken, würden wir 50% des Potentials ausschließen. Ich denke, in diesen “weiblichen 50%” steckt noch so viel Potential, welches die gesamte Branche revolutionieren kann – weit langfristiger und struktureller als aktuellen Trends wie z.B.  AI oder Big Data.“

FTL: Auf welche Fintechs werden wir in Zukunft nicht verzichten können?
Jessica: „Penta. Monzo. Adyen.“

FTL: Was sind Deine drei Tipps, um als Frau in der Fintech-Branche erfolgreich zu sein?
Jessica:  „Ich habe folgende Tipps für euch:

  1. Einfach machen, nicht alles bis zur 100%igen Perfektion vorher durchdenken und planen.
  2. Mutig sein und auch das Risiko eingehen, einen Fehler zu machen. Nur dadurch lernt man.
  3. In sich selbst und die eignen Fähigkeiten vertrauen. Wenn man mal etwas nicht weiß, kann man immer noch um Hilfe bitten.“

FTL: Was war der hilfreichste Ratschlag für dich in deiner Gründungsphase?
Jessica: „Be bold. Just do it. Do things that don’t scale. Always question the status quo. Don’t take no for an answer.“

FTL: Und jetzt kommen wir noch zu einer unserer beliebtesten Fragen: Welches Buch hat Dich zuletzt so beeindruckt, dass Du es einer Freundin weiterempfehlen würdest?
Jessica: „Da gibt es eine Menge. Angefangen bei ShoeDog von Nike Gründer Phil Knight, über Atlas Shrugged von Ayn Rand hin zu Siddharta von Hermann Hesse.“

Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit, Jessica.

Ihr möchtet noch mehr von Jessica erfahren oder euch mit ihr vernetzen? Dann kontaktiert sie doch persönlich über LinkedIn.

FTL DeepDive bei Penta in Berlin

Nie wieder mittelmäßiges Banking – so lautet das Credo des Berliner Fintechs Penta. Selbiges lud die Fintech Ladies am 15. August 2018 zu einem DeepDive ein. Penta bietet Geschäftsbanking für KMUs und stellte den Teilnehmerinnen den Weg von der Idee zum Produkt vor. Dabei geht es Penta vor allem um Einfachheit, Kundenorientierung, Sicherheit, Schnelligkeit und Transparenz. Besonders das umfassende Einbeziehen des Kundenfeedbacks zeichnet Pentas Herangehensweise an die Weiterentwicklung des Produktes aus. Dies weckte das Interesse der Teilnehmerinnen und erzeugte spannende Diskussionen.

 

Vielen Dank an Jessica Holzbach und ihre Kolleginnen für den tollen Abend und den spannenden Einblick in die Welt von Penta. Wir kommen gerne wieder 🙂

15% Frauenanteil in Start-ups bei fast 30% Gründerinnen – Female Founders Monitor verspricht Aufwärtstrend

Start-ups sind der Mittelstand von morgen – und sie haben das Zeug, Global Player von übermorgen zu sein. So lautet es im Vorwort der kürzlich veröffentlichten Studie Female Founders Monitor (kurz FFM). 

Die Macher der Studie haben sich 1.800 Start-Ups angeschaut und festgestellt: Die Frau von heute entdeckt das Gründen für sich. Alleine bei den befragten Unternehmen sind ein Viertel davon mit Frauen im Gründungsteam besetzt und 145 Unternehmen wurden ausschließlich von Frauen gegründet. Der Female Founders Monitor 2018 möchte aber noch mehr Frauen ermutigen, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen. #starkefrauenstarkewirtschaft

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sind folgende Punkte:

  • Der Anteil von Frauen in Start-ups hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht und liegt heute bei 14,6 %. In 28% der untersuchten Start-ups sind Frauen als Gründerinnen oder Mitgründerinnen vertreten. Dabei liegt die Größe der weiblichen Entrepreneur-Teams im Durchschnitt bei 1,3 Personen (bei männlichen Teams sind es 2,2 Personen)
  • Gründerinnen nehmen die Dinge selbst in die Hand: Sie gründen häufig allein und kommen ohne große externe Kapitalaufnahmen aus.
  • Gründerinnen wollen mit ihren Start-ups vor allem eins: schnell profitabel und damit von anderen unabhängig sein.

Ferner stellt der Report 10 interessante Thesen auf, die wir euch gerne vorstellen möchten.

  1. Frauen gründen häufiger alleine und zum ersten Mal.
  2. Gründerinnen haben häufiger einen Hintergrund in sozialen und kreativen Fächern, jedoch seltener in MINT-Fächern
  3. Gründerinnen priorisieren die Profitabilität, Gründer das Unternehmenswachstum
  4. Gründerinnen planen weniger häufig mit externen Kapitalaufnahmen und finanzieren sich seltener durch Business-Angels oder Venture Capital.
  5. Frauen gründen häufiger im Bereich E-Commerce oder Bildung, Männer häufiger im IT- oder Software-Bereich
  6. Gründerinnen bewerten die Innovativität ihres Start-ups zurückhaltender als Gründer.
  7. Gründerinnen schätzen den Einfluss der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell geringer ein.
  8. Gründerinnen priorisieren Marketing-Kooperationen, Gründer streben F&E-Kooperationen an.
  9. Im Falle des Scheiterns würden Frauen im Vergleich zu Männern seltener ein weiteres Start-up gründen
  10. Gründerinnen setzen in ihrer Arbeit häufiger auf Koordination, Gründer auf Spezialisierung und in gemischten Teams zeigen sich teilweise positive Synergien.

Was denkt ihr zu den Thesen? Könnt ihr euch wiederfinden und habt ihr Tipps, die ihr mit uns teilen möchtet? Dann meldet euch hier mit einem Kommentar.

Übrigens: Auf Female Founders StartupSpot findet ihr eine Datenbank, in der alle deutschen Start-ups mit weiblichen Gründerinnen zu finden sind und wo man sich auch selber registrieren kann. Also, auf geht’s!

5 Fragen an… Nina Roth

Nina Roth arbeitet mit Regulatoren und Banken in Schwellenländern zu nachhaltigen Finanzen. Ende 2017 hat Nina, zusammen mit zwei Partnerinnen aus der Schweiz, das Unternehmen InvestSustain gegründet, eine Transparenz- und Investitionsplattform für nachhaltige Finanzprodukte.  Ihre Zeit hier verbringt sie vor allem mit Business Plänen, Recherche und Analyse von Produkt- und Nachhaltigkeitsdaten, Wissensaufbau zum Tech-Hintergrund sowie strategischen Überlegungen zur Finanzierung und Niederlassung des Vorhabens.

Wir haben mit ihr gesprochen, wie sie das Fintech-Umfeld wahrnimmt und auch, wo sie Inspirationen sammelt und was sie in ihrer Freizeit macht. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Nina: „Es gibt zahlreiche riesige gesellschaftliche Herausforderungen für die Fintech Lösungen anbieten kann und letztlich auch muss, wenn wir die Welt verbessern wollen. Hier gab es in den letzten ein-zwei Jahren mehr Dynamik. Dabei haben sich mehr und mehr Fintechs entwickelt, die neben ökonomischen Interessen auch soziale und ökologische Aspekte beachten. Sei es das Green Assets Wallet, das via Blockchain grüne Investitionen in Schwellenländern nachvollziehbarer machen will, die gender lense investing Plattform von Think Yellow, der geplante „Roboadvisor“ von 2°ii zur Beachtung von Klimaaspekten bei Investitionen, oder StarTalers, ein digitaler Finanzcoach für Frauen. In dem Zusammenhang kann ich auch das Diskussionspapier von – unter anderem – der Fair Finance Initiative zu „Roadmap to Conscious Fintech“ empfehlen.“

© Nina Roth

Was ist deine größte bisherige oder permanente Herausforderung in deinem Job?
Nina: „Es gibt zwei große Herausforderungen. Die erste ist die Entscheidung,  die Gründung voll durchzuziehen. Das hat kurzfristig finanzielle Konsequenzen, bringt Unsicherheit mit sich, aber natürlich auch den Spielraum und die Energie, die eine Gründung bedarf. Und die zweite große Herausforderung ist, dass Du anfangs entweder alleine oder in einem sehr kleinen Team agierst und alle Aufgaben bewältigen musst. Das erfordert ständige Neu-Priorisierungen und sehr viel Multi-Tasking. Das ist anstrengend, aber auch toll dynamisch. Bei beiden Herausforderungen kann umso mehr super-early-stage-funding helfen!“

Wo sammelst Du Inspirationen?
Nina: „Im Internet, auf Reisen und in Gesprächen mit Freund_innen.“

Warum übt Fintech auf dich persönlich so eine Faszination aus?
Nina: „Ich habe lange in der Finanzbranche gearbeitet und sie geschätzt als einen Ort, wo Mensch Veränderungen  erreichen kann. Beispielsweise im Risk Management durch strukturelle Änderungsanforderungen an Unternehmen vor der Kreditvergabe oder durch Mobilisierung von Privatkapital für nachhaltige Zwecke. Dennoch habe ich die Branche als eher konservativ und die Produkt- oder Prozessentwicklungen als nicht wirklich innovativ wahrgenommen. Da bringt Fintech seit einiger Zeit neuen Wind rein. Ich empfehle insbesondere den Blick nach Asien, da wird noch mehr Fintech-Innovation betrieben (und nicht nur existierende Prozesse digitalisiert).“

Welches Buch hat Dich zuletzt so beeindruckt, dass Du es einer Freundin weiterempfehlen würdest?
Nina: „Kurz wollte ich ein Buch über Demenz empfehlen, aber das ist vielleicht zu trist. Also etwas Unterhaltsames: Min Jin Lee’s Pachinko! Eine koreanisch-japanische Familiengeschichte über fast zwei Jahrhunderte hinweg mit Liebe, Kriminalität, Krieg, Stadt-Land-Gegensätzen, Geschwister- und andere Beziehungen, von totaler Armut zu totalem Reichtum und zurück, und alles verwebt mit der Mafia. Ein großer Spaß!“

Vielen Dank für Deine Inspiration und Deine wertvollen Tipps, liebe Nina!

“Needs & Leeds” beim FTLDeepDive bei der paysafecard

Vor etwas über zwei Jahren wurden die Fintech Ladies in Deutschland ins Leben gerufen. Das Netzwerk wurde von Christine Kiefer gegründet und möchte Gründerinnen und Geschäftsführerinnen, Entscheiderinnen, Beraterinnen und interessierte Frauen aus der Fintech- und InsurTech-Szene zusammenbringen. Seit der Gründung sind die Fintech Ladies in Deutschland enorm gewachsen. Das Netzwerk unterstützt heute mehr als 450 Ladies aus dem Finanzwesen, die sich gegenseitig in der von überwiegend Männern dominierten Branche unterstützen möchten.

Neben einem Schweizer Hub wurde in Österreich ein neuer Standort ins Leben gerufen, welcher nun offiziell gestartet ist. Susanne Krehl, Managing Director Austria & Switzerland bei Barzahlen, und Johanna Maria Leiner, Head of Policy & Assurance bei der Paysafe Group, leiten den österreichischen Ableger und laden die lokale Community fortan zu regelmäßigen Treffen ein. Bei den sogenannten Fintech DeepDives trifft sich die lokale Community quartalsweise bei ausgewählten Unternehmen, die über ihren Werdegang und aktuelle Herausforderungen in der Branche berichten. Die Sessions geben ferner Insights in die Praktiken der Branche und ermöglichen persönliche Gespräche.

Susanne Krehl & Johanna Maria Leiner (v.l.n.r.) © Martina Siebenhandl

Am 23. Mai 2018 fand das erste Treffen bei der paysafecard in Wien statt. Der Teilnehmerinnen-Kreis war bunt gemischt: Insgesamt waren 17 Ladies von der Finanzmarktaufsicht, Banken, Rechtsanwaltskanzleien, Versicherungen, Beratungsfirmen, Start-Ups und Finanzunternehmen anwesend.

Johanna Maria Leiner stellte zuerst das Unternehmen vor, bei welchem sie seit dem Jahr 2013 beschäftigt ist und zeigte Neuerungen der Branche auf. Die Paysafe Group verfügt über eine englische Lizenz der Financial Conduct Authority (kurz: FCA) und bietet Prepaid-Lösungen unter den Marken paysafecard und mypaysafecard an. Die paysafecard ist ein weltweit in 45 Ländern und an über 600.000 Verkaufsstellen verfügbares Online-Prepaid-Zahlungsmittel. Vom Firmensitz in Wien aus hat sich der Zahlungsdienstleister mit den Marken paysafecard, mypaysafecard und paysafecard Mastercard® zu einem der Marktführer für Prepaid-Zahlungsmittel entwickelt. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 in Österreich gegründet und gehört zur englischen Paysafe Gruppe.

Der ganze Abend stand unter dem Motto „Needs & Leeds“ – also gezieltes Networking auf höchstem Niveau. Andrea Dunlop, CEO Acquiring bei der Paysafe Group, sprach nach der Firmenvorstellung in ihrer Präsentation über übliche geschlechtsspezifische Rollenverteilungen, in welcher Frauen oftmals selbstkritisch, perfektionistisch und eher risikoscheu veranlagt sind. In diesem Zusammenhang sprach sie auch die Wichtigkeit von Netzwerkvereinigungen wie das der Fintech Ladies an, da sich die Teilnehmerinnen hier auf Augenhöhe austauschen, Empfehlungen aussprechen können und sich zugleich gegenseitig inspirieren.

„Jede von uns kann ein Game Changer sein – Du musst nur an Dich glauben, einen Schritt nach vorne gehen und stets die Gelegenheiten, die sich Dir anbieten, beim Schopfe packen“, so Andrea. Um erfolgreich zu sein, muss man auch mal bewusst Risiken eingehen und für so andere sichtbar werden, so ihre Meinung. Von selbstbewussten Frauen, die mehr Präsenz zeigen und sich selbst vermarkten, profitieren letztlich auch die Unternehmen.

Kennenlernen beim FTL DeepDive © Martina Siebenhandl

Im Verlaufe des Abends stellten sich alle Teilnehmerinnen kurz vor und erzählten von ihren persönlichen Karriere-Geschichten. Außerdem wiesen sie darauf hin, wie sie persönlich das Netzwerk bereichern und in welchem spezifischen Bereich sie den anderen Teilnehmerinnen Unterstützung anbieten können. Die Geschichten über die individuellen Karrierewege – geprägt von großen Erfolgen aber auch so manchen Herausforderungen – war eine inspirierende Erfahrung für alle.

Need & Leeds © Martina Siebenhandl

Der gelungene Abend endete mit einer kleinen Besichtigungstour durch das Bürogebäude der paysafecard – übrigens ausgezeichnet als „Great Place to Work“ – und viel Networking unter den Ladies, leckerem Fingerfood und einem Glas Wein. “Unser erstes Wiener Fintech Ladies Treffen war aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Der Austausch mit allen Beteiligten hat gezeigt, wie wichtig Netzwerke einfach sind. Insbesondere gezielte Vereinigungen rund um ein kompetentes Expertenumfeld wie unser Fintech Ladies Netzwerk, sind extrem wichtig für einen wachsenden Industriezweig”, resümiert Johanna Maria Leiner den Abend.

© Martina Siebenhandl