Fintech Ladies meets Fondsfrauen

Eine inspirierende Podiumsdiskussion zum Thema Finanztechnologie gab es am 20. März beim Regionalmeeting der Fondsfrauen in Zürich in der Schweiz. Und wer darf da als Branchen-Expertin nicht fehlen? Ganz klar, die Gründerin der Fintech Ladies, Christine Kiefer.

“Das Event der Fondsfrauen in der Schweiz, an dem die Schweizer Fintech Ladies teilnehmen durften, war ein voller Erfolg. Unsere Netzwerke und unsere Themen ergänzen sich hervorragend und der Austausch mit Gleichgesinnten hat riesig Spaß gemacht. Ich freue mich, dass wir jetzt auch in der Schweiz einen neuen Hub gefunden haben, der unsere Präsenz im DACH-Raum weiter stärkt “, fasst Christine Kiefer, Gründerin  der Fintech Ladies, ihre Eindrücke vom Treffen zusammen.

Ein starkes Netzwerk für Frauen

Doch von vorne weg. Wer sind eigentlich die Fondsfrauen? Das Netzwerk ist eine Initiative von Frauen für Frauen in der Investmentfondsbranche. Also eine perfekte Symbiose zu uns Fintech Ladies 🙂 Die Initiative wurde im November 2014 von drei Veteraninnen der Fondsindustrie ins Leben gerufen: Anne E. Connelly, Anke Dembowski und Manuela Fröhlich.

Drei starke Mission Statements prägen die Vereinigung:

  1. Die Fondsfrauen möchten ein Netzwerk für einen regelmäßigen Austausch bilden, um Frauen bei ihren persönlichen und beruflichen Zielen zu unterstützen
  2. Die Fondsfrauen setzen sich für die Karriere und der Förderung von Frauen in der Investmentfondsbranche ein
  3. Die Fondsfrauen möchten ihren weiblichen Geschlechtsgenossinnen Inspirationen bieten für mehr eigenverantwortliches Anlegen und finanzielle Unabhängigkeit

Gelöste Stimmung und ein Blick hinter die Kulissen von Fintechs, Robos, Blockchain

In den Räumlichkeiten von Vontobel, einer Schweizer Investmentbank mit Sitz in Zürich und ein Unterstützer der Fondsfrauen, trafen sich rund 80 Damen aus der Investmentfonds-Szene zum jährlichen Regionalmeeting. Auf dem Programm standen Impulsvorträge von Vontobel und den Fondsfrauen, sowie die Vorstellung der Studie Fearless Girls, eine von den Fondsfrauen und der Universität Mannheim gemeinsam entwickelte Studie, die erforscht, warum sich (leider) zu wenige junge Frauen für die Fondsbranche entscheiden. 

Zum Ende des Treffens folgte die langersehnte Podiumsdiskussion zu “Fintechs, Robos, Blockchain: Ein Blick hinter die Schlagworte mit smarten Frauen aus der Fintech-Szene”, moderiert von Fondsfrau-Mitgründerin Anke Dembowski. Im Rahmen der Diskussion tauschten sich Christine Kiefer (Gründerin des Fintech Ladies Netzwerk), Dr. Ella Rabener (Scalable Capital – wir berichteten), Adrienne Mülleitner (Vontobel) und Paul Sutter (Credit Suisse – kam in Vertretung für seine Kollegin Anke Bridge Haux) rege aus.

Spannend wurde es, als es darum ging, ob sich die Jobs in der Finanzbranche aufgrund der Digitalisierung ändern werden, und ob Fintechs doch nur Hype oder schon Realität sind oder sie tatsächlich Investmententscheidungen begünstigen. Auch zu den Karriere-Chancen für Frauen – ein gleichermaßen großes Anliegen für die Fintech Ladies und die Fondsfrauen – bezogen die Teilnehmer Stellung. Einig waren sich die Panelteilnehmer darin, dass sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung für alle ändern wird, aber gerade für Frauen neue Chancen bietet, Karriere und Kindererziehung besser zu vereinbaren als bisher. Christine Kiefer dazu: “Nicht nur aktuelle Studien belegen: Die Finanzbranche muss weiblicher werden. Ich kann jeder Lady, die eine Affinität zu Finanzen und Zahlen hat, mit gutem Gewissen zu einem Job in der Branche raten. Es gibt nichts Spannenderes! Nicht zuletzt darum habe ich mein Netzwerk für Frauen gegründet, die ich damit ermutigen möchten, diesen Schritt zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir persönlich der Austausch und die Unterstützung von anderen Frauen geholfen hat, um mich in dieser Männerdomäne zu behaupten.”

Am 10. April 2018 folgte das Event der Fondsfrauen in Frankfurt, wo Fintech Lady Jana Ebner Teil des Panels sein durfte. Die Veranstaltung lief unter selbigem Titel und fand im Hause der DWS statt. Teilnehmer neben Jana Ebner (TME AG) waren Theresa Boettger (DWS), Dr. Ella Rabener von Scalable Capital und Martin Schmidt, Partner bei Postera Capital. „Es war ein spannender Austausch, wie die Digitalisierung das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine im Finanzwesen verändern wird“, resümiert Jana Ebner.

©Fondsfrauen

 

Die Venture Capital Lücke

Gründerinnen erhalten weniger Geld für Start-ups als Männer – gleiches gilt für Venture Capital.

Teams, die ausschließlich von Frauen geführt sind, erhielten in den USA allein im Jahre 2017 nur 1,9 Milliarden USD von insgesamt 85 Milliarden USD, die von Venture Capital Firmen investiert wurden. Das Fortune Magazin berichtet, dass laut Daten der VC-Datenbank PitchBook, einer M&A-, PE- und VC-Datenbank, dies nur 2,2 Prozent des gesamten Betrages ausmacht. Im Vergleich dazu erhielten rein männliche Teams 66,9 Milliarden USD, 79 Prozent des Gesamtvolumens.

Zwei Drittel bevorzugen “männlich” fundierte Business Model

Die Ursachen dafür sind vielseitig. Frauen sind auch bei Venture Capital Unternehmen unterrepräsentiert. Das kann auch dazu führen, dass Produkte, die für Frauen entwickelt werden nicht genügend wahrgenommen und auch nicht adäquat verstanden werden. Frauen werden oft nach Leistungen und Männer nach Potential bewertet. Darüber hinaus wurden in einem Experiment, das von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt wurde, identische Businessplan-Videos sowohl von männlichen als auch von weiblichen Stimmen vorgestellt: Die Befragten wählten die von Männern dargestellten Pläne zu 68 Prozent aus. Zudem könnte es sein, dass Frauen, wie auch in anderen Bereichen seltener nach VC Kapital und auch nach niedrigeren Beträgen fragen.

Die Start-Up-Szene braucht Vielschichtigkeit

Die Problematik ist vielschichtig und der wirtschaftliche Verlust ist sehr hoch. Laut Fortune Magazine sind von Frauen gegründete Unternehmen in der Regel sehr erfolgreich und Start-Ups mit Potenzial können übersehen werden. (Zu) wenig Funding schadet nicht nur Gründerinnen und Investoren, sondern der Gesellschaft insgesamt – die Vielfalt und Vielseitigkeit an Ideen und Produkten wird automatisch eingeschränkt. Die Start-Up-Szene braucht genau diese Vielschichtigkeit, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Frauen, die mit einem Bewusstsein für Vorurteile ausgestattet sind, bereiten sich besser auf ihre Finanzierungsziele vor. Und Investoren erreichen mit einem diversifizierten Portfolio andererseits auch ihre wirtschaftlichen Ziele erfolgreicher.

2 x FTLDeepDive = volle Frauenpower!

Der Jahresauftakt bei den FinTech Ladies startete fulminant: In einer Woche fanden gleich zwei spannende #FTLDeepDives statt. Im hohen Norden in Hamburg trafen sich die Ladies bei der Hamburger Sparkasse (kurz: Haspa) zum Networking und im Süden der Republik ließen die Münchener Ladies bei Scalable Capital die Sektkorken knallen. Hier ein kurzer Rückblick von beiden Networking-Veranstaltungen.

#FTLDeepDive 1: Scalable Capital – small things can get big pretty soon

Insgesamt 23 Ladies folgten am 28. Februar der Einladung zum ersten #FTLDeepDive in 2018. Wir waren zu Gast bei Scalable Capital, dem Münchener Start-Up, welches die Vermögensverwaltung revolutioniert hat. Alle Prozesse von Scalable Capital sind komplett digital – Vermögensverwaltung 2go sozusagen. Dr. Alexis Darányi, Chief Legal Officer bei Scalable Capital, zeigte den Fintech Ladies die Büroräume und berichtete über die Entstehungsgeschichte des rasant wachsenden Unternehmens. Der erste Meilenstein erfolgte mit der Gründung im Dezember 2014. Bereits Mitte 2015 erhielt Scalable Capital die BaFin-Lizenz und ging im Februar 2016 mit seinem Angebot in Deutschland live – der Standort in UK folgte nur wenige Monate später. Ein paar Finanzierungsrunden und Kooperationen später zählt das Unternehmen heute zu den europäischen Marktführern im Bereich Robo Advice.

Kurzer DeepDive “Robo Advice” – was ist das, wie funktioniert das?

Unternehmen, die eine teilweise automatisierte Form der Vermögensverwaltung anbieten, nennt man Robo Advisor. Die Bezeichnung Robo Advice setzt sich aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) zusammen. Häufig übernimmt ein Algorithmus die Erstellung, die laufende Überwachung und die Anpassung der Portfolios. Diese Automatisierung bringt diverse Vorteile mit sich:

1. Kosteneinsparung
Durch die Automatisierung können Gebühren gesenkt werden. Außerdem investieren Robo-Advisor oftmals in passive Indexfonds (ETFs), die geringere Gebühren haben als aktiv gemanagte Fonds.

2. Technologie statt Emotionen
Emotionen abschütteln – so die Devise. Wir alle sind Menschen. Das führt dazu, dass wir unter Umständen im falschen Moment kaufen oder verkaufen. Robo Advisor schützen Anleger, da sie nicht emotional getrieben sind, sondern auf Basis einer komplett datengetriebenen, emotionslosen Geldanlage arbeiten. Oftmals wird das Angebot mit einem Risikomanagement verbunden, um das Portfoliorisiko möglichst stabil zu halten. Aber: Natürlich stecken hinter Robo Advice noch Menschen: Nicht umsonst sind bei Scalable Capital derzeit knapp 70 Mitarbeiter beschäftigt; ein Großteil davon in der Entwicklung.

3. No risk, no fun?
Insbesondere die Deutschen sind weniger risikofreudig und brauchen Sicherheit in der Geldanlage. Dennoch neigen viele Privatanleger dazu, mehr auf die Rendite als auf das Risiko zu achten. Robo Advisor versuchen, hier für Anleger die Balance zu halten.

4. Volle Transparenz – zu jeder Zeit, an jedem Ort
Ob in der Bahn, auf dem Weg zur Arbeit oder sogar nachts: Viele Anbieter gewähren Anlegern über Online-Plattformen oder Apps Zugang zu allen Daten und Informationen. Kunden können so ihre aktuellen Portfolio-Allokation, die Performance und ausgeführte Transaktionen komfortabel einsehen. Anbieter wie Scalable Capital stellen diese Infos sogar in Echtzeit zur Verfügung.

Fakt ist: Ein Robo Advisor als Vermögensverwalter (wichtig: mit BaFin-Lizenz) kann Privatanlegern, mit Hilfe moderner Technologie, die Geldanlage komplett abnehmen. Dabei kann der Anleger mit einem geringen Anlagebetrag starten und seine Kosten gering halten. Mehr Infos zu den Themen Robo Advice, was das für die Finanzwelt bedeutet und für wen sich solche Anlageformen eignen, findet ihr auf der Website von Scalable Capital.

#FTLDeepDive bei der Haspa – zu Gast bei der Bank für alle Hamburger

 

#FTLDeepDive 2: Haspa – zu Gast bei der Bank für alle Hamburger

Die Hamburger Ladies waren zu Besuch bei der Hamburger Sparkasse, kurz Haspa. Nach einem kurzen Mingle mit Drinks und gaben Alexandra Hasse, Bereichsleiterin für das Firmenkundengeschäft, und Stefanie Luckmann, Produktmanagerin, den 24 Ladies spannende Einblicke in die Welt der Bank. Das Hauptthema war ganz klar: Digitalisierung und die damit einhergehenden Herausforderungen.

Digitale Transformation wird groß geschrieben

Digitalisierung ist bei den Hamburgern schon lange ein Thema und wird als Chance gesehen. So möchte die Bank bis 2020 rund 25 Millionen Euro in zusätzliche digitale Angebote investieren. So zeigten Stefanie und Alexandra, was die Haspa so alles an Startup-Aktivitäten und Digitalisierungs-Maßnahmen unternimmt und welche neuen Apps z.B. AINO oder auch kiekmo zum Haspa Angebot zählen.

Tipp für alle Interessierten!
Wer die beiden FTLDeepDives verpasst hat, kann sich in Kürze auf weitere spannende Networking-Veranstaltungen freuen. Wir treffen uns noch im März in Frankfurt, Zürich, Berlin und Wien. Hier geht’s zu unserem Event-Kalender.

 

Frauenpower im Finanzsektor

Heute ist ein Feature über die Fintech Ladies, im Besonderen Sara Amini, im FinCompare Finanzmagazin erschienen. Sara ist Entrepreneur in Residence bei FinCompare und ist Teil des Berliner Teams der Fintech Ladies. Mehr lesen…

FinCompare Finanzmagazin: Frauenpower im Finanzsektor