15% Frauenanteil in Start-ups bei fast 30% Gründerinnen – Female Founders Monitor verspricht Aufwärtstrend

Start-ups sind der Mittelstand von morgen – und sie haben das Zeug, Global Player von übermorgen zu sein. So lautet es im Vorwort der kürzlich veröffentlichten Studie Female Founders Monitor (kurz FFM). 

Die Macher der Studie haben sich 1.800 Start-Ups angeschaut und festgestellt: Die Frau von heute entdeckt das Gründen für sich. Alleine bei den befragten Unternehmen sind ein Viertel davon mit Frauen im Gründungsteam besetzt und 145 Unternehmen wurden ausschließlich von Frauen gegründet. Der Female Founders Monitor 2018 möchte aber noch mehr Frauen ermutigen, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen. #starkefrauenstarkewirtschaft

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sind folgende Punkte:

  • Der Anteil von Frauen in Start-ups hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht und liegt heute bei 14,6 %. In 28% der untersuchten Start-ups sind Frauen als Gründerinnen oder Mitgründerinnen vertreten. Dabei liegt die Größe der weiblichen Entrepreneur-Teams im Durchschnitt bei 1,3 Personen (bei männlichen Teams sind es 2,2 Personen)
  • Gründerinnen nehmen die Dinge selbst in die Hand: Sie gründen häufig allein und kommen ohne große externe Kapitalaufnahmen aus.
  • Gründerinnen wollen mit ihren Start-ups vor allem eins: schnell profitabel und damit von anderen unabhängig sein.

Ferner stellt der Report 10 interessante Thesen auf, die wir euch gerne vorstellen möchten.

  1. Frauen gründen häufiger alleine und zum ersten Mal.
  2. Gründerinnen haben häufiger einen Hintergrund in sozialen und kreativen Fächern, jedoch seltener in MINT-Fächern
  3. Gründerinnen priorisieren die Profitabilität, Gründer das Unternehmenswachstum
  4. Gründerinnen planen weniger häufig mit externen Kapitalaufnahmen und finanzieren sich seltener durch Business-Angels oder Venture Capital.
  5. Frauen gründen häufiger im Bereich E-Commerce oder Bildung, Männer häufiger im IT- oder Software-Bereich
  6. Gründerinnen bewerten die Innovativität ihres Start-ups zurückhaltender als Gründer.
  7. Gründerinnen schätzen den Einfluss der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell geringer ein.
  8. Gründerinnen priorisieren Marketing-Kooperationen, Gründer streben F&E-Kooperationen an.
  9. Im Falle des Scheiterns würden Frauen im Vergleich zu Männern seltener ein weiteres Start-up gründen
  10. Gründerinnen setzen in ihrer Arbeit häufiger auf Koordination, Gründer auf Spezialisierung und in gemischten Teams zeigen sich teilweise positive Synergien.

Was denkt ihr zu den Thesen? Könnt ihr euch wiederfinden und habt ihr Tipps, die ihr mit uns teilen möchtet? Dann meldet euch hier mit einem Kommentar.

Übrigens: Auf Female Founders StartupSpot findet ihr eine Datenbank, in der alle deutschen Start-ups mit weiblichen Gründerinnen zu finden sind und wo man sich auch selber registrieren kann. Also, auf geht’s!

Die Venture Capital Lücke

Gründerinnen erhalten weniger Geld für Start-ups als Männer – gleiches gilt für Venture Capital.

Teams, die ausschließlich von Frauen geführt sind, erhielten in den USA allein im Jahre 2017 nur 1,9 Milliarden USD von insgesamt 85 Milliarden USD, die von Venture Capital Firmen investiert wurden. Das Fortune Magazin berichtet, dass laut Daten der VC-Datenbank PitchBook, einer M&A-, PE- und VC-Datenbank, dies nur 2,2 Prozent des gesamten Betrages ausmacht. Im Vergleich dazu erhielten rein männliche Teams 66,9 Milliarden USD, 79 Prozent des Gesamtvolumens.

Zwei Drittel bevorzugen “männlich” fundierte Business Model

Die Ursachen dafür sind vielseitig. Frauen sind auch bei Venture Capital Unternehmen unterrepräsentiert. Das kann auch dazu führen, dass Produkte, die für Frauen entwickelt werden nicht genügend wahrgenommen und auch nicht adäquat verstanden werden. Frauen werden oft nach Leistungen und Männer nach Potential bewertet. Darüber hinaus wurden in einem Experiment, das von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt wurde, identische Businessplan-Videos sowohl von männlichen als auch von weiblichen Stimmen vorgestellt: Die Befragten wählten die von Männern dargestellten Pläne zu 68 Prozent aus. Zudem könnte es sein, dass Frauen, wie auch in anderen Bereichen seltener nach VC Kapital und auch nach niedrigeren Beträgen fragen.

Die Start-Up-Szene braucht Vielschichtigkeit

Die Problematik ist vielschichtig und der wirtschaftliche Verlust ist sehr hoch. Laut Fortune Magazine sind von Frauen gegründete Unternehmen in der Regel sehr erfolgreich und Start-Ups mit Potenzial können übersehen werden. (Zu) wenig Funding schadet nicht nur Gründerinnen und Investoren, sondern der Gesellschaft insgesamt – die Vielfalt und Vielseitigkeit an Ideen und Produkten wird automatisch eingeschränkt. Die Start-Up-Szene braucht genau diese Vielschichtigkeit, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Frauen, die mit einem Bewusstsein für Vorurteile ausgestattet sind, bereiten sich besser auf ihre Finanzierungsziele vor. Und Investoren erreichen mit einem diversifizierten Portfolio andererseits auch ihre wirtschaftlichen Ziele erfolgreicher.

Frauenpower im Finanzsektor

Heute ist ein Feature über die Fintech Ladies, im Besonderen Sara Amini, im FinCompare Finanzmagazin erschienen. Sara ist Entrepreneur in Residence bei FinCompare und ist Teil des Berliner Teams der Fintech Ladies. Mehr lesen…

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