5 Fragen an… Julia Schmelz von smava

Mit „5 Fragen an…“ starten wir ab heute eine neue Interview-Reihe auf dem Fintech Ladies Blog. Freut euch zukünftig auf spannende Interviews mit starken Frauen aus dem Fintech-Umfeld.

Heute stellen wir euch Julia Schmelz vor. Julia ist Head of Customer Success bei smava, einem Online-Vergleichsportal für Kredite.

©Julia Schmelz

Warum ist es so wichtig, dass es in der Fintech-Branche Frauen generell und Frauen in Führungspositionen gibt?
Julia: „Es ist wichtig, Frauen in der Entwicklung ihrer Berufswünsche zu unterstützen. Fintech-Bereiche in die Berufswahl einzubeziehen setzt voraus, den Bereich zu kennen, zu mögen, sich da zu sehen. Dafür benötigt es Vorbilder. Frauen in Führungspositionen gehören für mich in allen Bereichen dazu, unabhängig von der Branche. Das hilft natürlich auch, Vorurteile aufzuräumen.“

 

Was ist aus Deiner Sicht einer der spannendsten Trends in der Fintech-Branche?
Julia: „Der für mich spannendste Trend ist die Digitalisierung der Bonitätsprüfung im Kreditvergabebereich. Das interessiert mich aus beruflicher Sicht sehr und ich sehe da eine starke und zügige Entwicklung.

Auf welche Fintechs werden wir in Zukunft nicht verzichten können?
Julia: „N26 und smava.“ 🙂

Was sind Deine drei Tipps, um als Frau in der Fintech-Branche erfolgreich zu sein?
Julia: „Erstens: Du bist gut in dem, was du machst? Dann sag es. Laut und deutlich. Zweitens: Verstell dich nicht. Alle Tipps, die dich männlich-erfolgreich machen sollen, sind Bullshit! Du willst einen Rock tragen? Tu es! Bleib dir treu und vertraue dir. Und drittens: Nimm Rückschläge hin, akzeptiere, dass der Job nicht alles ist, fahr dich runter und justiere dich neu.“

Und die letzte Frage: Wo sammelst Du Inspirationen?
Julia: „Mich inspirieren Kolleginnen und Kollegen, die ein ähnliches Pensum haben, an denen die Schnittstellen groß sind. Das ist die häufig unterschätzte Kollegin in einer Führungsrolle genauso wie der Developer, der jeden Morgen von der Kita ins Büro geradelt kommt und sich nassgeschwitzt 10 Uhr morgens seinen ersten Kaffee zapft.“

Danke, liebe Julia, für das Interview!

Fintech Ladies meets Fondsfrauen

Eine inspirierende Podiumsdiskussion zum Thema Finanztechnologie gab es am 20. März beim Regionalmeeting der Fondsfrauen in Zürich in der Schweiz. Und wer darf da als Branchen-Expertin nicht fehlen? Ganz klar, die Gründerin der Fintech Ladies, Christine Kiefer.

“Das Event der Fondsfrauen in der Schweiz, an dem die Schweizer Fintech Ladies teilnehmen durften, war ein voller Erfolg. Unsere Netzwerke und unsere Themen ergänzen sich hervorragend und der Austausch mit Gleichgesinnten hat riesig Spaß gemacht. Ich freue mich, dass wir jetzt auch in der Schweiz einen neuen Hub gefunden haben, der unsere Präsenz im DACH-Raum weiter stärkt “, fasst Christine Kiefer, Gründerin  der Fintech Ladies, ihre Eindrücke vom Treffen zusammen.

Ein starkes Netzwerk für Frauen

Doch von vorne weg. Wer sind eigentlich die Fondsfrauen? Das Netzwerk ist eine Initiative von Frauen für Frauen in der Investmentfondsbranche. Also eine perfekte Symbiose zu uns Fintech Ladies 🙂 Die Initiative wurde im November 2014 von drei Veteraninnen der Fondsindustrie ins Leben gerufen: Anne E. Connelly, Anke Dembowski und Manuela Fröhlich.

Drei starke Mission Statements prägen die Vereinigung:

  1. Die Fondsfrauen möchten ein Netzwerk für einen regelmäßigen Austausch bilden, um Frauen bei ihren persönlichen und beruflichen Zielen zu unterstützen
  2. Die Fondsfrauen setzen sich für die Karriere und der Förderung von Frauen in der Investmentfondsbranche ein
  3. Die Fondsfrauen möchten ihren weiblichen Geschlechtsgenossinnen Inspirationen bieten für mehr eigenverantwortliches Anlegen und finanzielle Unabhängigkeit

Gelöste Stimmung und ein Blick hinter die Kulissen von Fintechs, Robos, Blockchain

In den Räumlichkeiten von Vontobel, einer Schweizer Investmentbank mit Sitz in Zürich und ein Unterstützer der Fondsfrauen, trafen sich rund 80 Damen aus der Investmentfonds-Szene zum jährlichen Regionalmeeting. Auf dem Programm standen Impulsvorträge von Vontobel und den Fondsfrauen, sowie die Vorstellung der Studie Fearless Girls, eine von den Fondsfrauen und der Universität Mannheim gemeinsam entwickelte Studie, die erforscht, warum sich (leider) zu wenige junge Frauen für die Fondsbranche entscheiden. 

Zum Ende des Treffens folgte die langersehnte Podiumsdiskussion zu “Fintechs, Robos, Blockchain: Ein Blick hinter die Schlagworte mit smarten Frauen aus der Fintech-Szene”, moderiert von Fondsfrau-Mitgründerin Anke Dembowski. Im Rahmen der Diskussion tauschten sich Christine Kiefer (Gründerin des Fintech Ladies Netzwerk), Dr. Ella Rabener (Scalable Capital – wir berichteten), Adrienne Mülleitner (Vontobel) und Paul Sutter (Credit Suisse – kam in Vertretung für seine Kollegin Anke Bridge Haux) rege aus.

Spannend wurde es, als es darum ging, ob sich die Jobs in der Finanzbranche aufgrund der Digitalisierung ändern werden, und ob Fintechs doch nur Hype oder schon Realität sind oder sie tatsächlich Investmententscheidungen begünstigen. Auch zu den Karriere-Chancen für Frauen – ein gleichermaßen großes Anliegen für die Fintech Ladies und die Fondsfrauen – bezogen die Teilnehmer Stellung. Einig waren sich die Panelteilnehmer darin, dass sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung für alle ändern wird, aber gerade für Frauen neue Chancen bietet, Karriere und Kindererziehung besser zu vereinbaren als bisher. Christine Kiefer dazu: “Nicht nur aktuelle Studien belegen: Die Finanzbranche muss weiblicher werden. Ich kann jeder Lady, die eine Affinität zu Finanzen und Zahlen hat, mit gutem Gewissen zu einem Job in der Branche raten. Es gibt nichts Spannenderes! Nicht zuletzt darum habe ich mein Netzwerk für Frauen gegründet, die ich damit ermutigen möchten, diesen Schritt zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir persönlich der Austausch und die Unterstützung von anderen Frauen geholfen hat, um mich in dieser Männerdomäne zu behaupten.”

Am 10. April 2018 folgte das Event der Fondsfrauen in Frankfurt, wo Fintech Lady Jana Ebner Teil des Panels sein durfte. Die Veranstaltung lief unter selbigem Titel und fand im Hause der DWS statt. Teilnehmer neben Jana Ebner (TME AG) waren Theresa Boettger (DWS), Dr. Ella Rabener von Scalable Capital und Martin Schmidt, Partner bei Postera Capital. „Es war ein spannender Austausch, wie die Digitalisierung das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine im Finanzwesen verändern wird“, resümiert Jana Ebner.

©Fondsfrauen

 

Die Venture Capital Lücke

Gründerinnen erhalten weniger Geld für Start-ups als Männer – gleiches gilt für Venture Capital.

Teams, die ausschließlich von Frauen geführt sind, erhielten in den USA allein im Jahre 2017 nur 1,9 Milliarden USD von insgesamt 85 Milliarden USD, die von Venture Capital Firmen investiert wurden. Das Fortune Magazin berichtet, dass laut Daten der VC-Datenbank PitchBook, einer M&A-, PE- und VC-Datenbank, dies nur 2,2 Prozent des gesamten Betrages ausmacht. Im Vergleich dazu erhielten rein männliche Teams 66,9 Milliarden USD, 79 Prozent des Gesamtvolumens.

Zwei Drittel bevorzugen “männlich” fundierte Business Model

Die Ursachen dafür sind vielseitig. Frauen sind auch bei Venture Capital Unternehmen unterrepräsentiert. Das kann auch dazu führen, dass Produkte, die für Frauen entwickelt werden nicht genügend wahrgenommen und auch nicht adäquat verstanden werden. Frauen werden oft nach Leistungen und Männer nach Potential bewertet. Darüber hinaus wurden in einem Experiment, das von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt wurde, identische Businessplan-Videos sowohl von männlichen als auch von weiblichen Stimmen vorgestellt: Die Befragten wählten die von Männern dargestellten Pläne zu 68 Prozent aus. Zudem könnte es sein, dass Frauen, wie auch in anderen Bereichen seltener nach VC Kapital und auch nach niedrigeren Beträgen fragen.

Die Start-Up-Szene braucht Vielschichtigkeit

Die Problematik ist vielschichtig und der wirtschaftliche Verlust ist sehr hoch. Laut Fortune Magazine sind von Frauen gegründete Unternehmen in der Regel sehr erfolgreich und Start-Ups mit Potenzial können übersehen werden. (Zu) wenig Funding schadet nicht nur Gründerinnen und Investoren, sondern der Gesellschaft insgesamt – die Vielfalt und Vielseitigkeit an Ideen und Produkten wird automatisch eingeschränkt. Die Start-Up-Szene braucht genau diese Vielschichtigkeit, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Frauen, die mit einem Bewusstsein für Vorurteile ausgestattet sind, bereiten sich besser auf ihre Finanzierungsziele vor. Und Investoren erreichen mit einem diversifizierten Portfolio andererseits auch ihre wirtschaftlichen Ziele erfolgreicher.